19541120 Walter Howard aan Matthijs Vermeulen

Walter Howard

aan

Matthijs Vermeulen

Wenum, 20 november 1954

Wenum b/Apeldoorn, 20 November 54

Nieuwe Molenweg 17.

Sehr geehrter Herr,

In einem Ihrer Artikel in der Grünen äusserten Sie ausgezeichnete Anschauungen über Wesen und Wert von Bearbeitungen, die mich damals sehr interessierten. Trotz der beiden ebenso grossen wie grundverschiedenen Bearbeiter Bach und Liszt gibt es heute sehr wenige, die den Mut haben, zwischen künstlerisch wertvoller und künstlerisch wertloser Bearbeitung zu unterscheiden, und Bearbeitung wird im allgemeinen heute vielleicht mehr als je abgelehnt. Ich hatte mich sehr gefreut, auch in diesem wie in manchem anderen Punkte in Ihnen einen Kampfgenossen zu finden, denn am Ende ist ja jeder Tonsatz auch nichts anderes als eine Bearbeitung. – Nun ist eine Bearbeitung von mir im Pariser Rundfunk mit sehr gutem Erfolg gespielt worden, und es würde mich interessieren, Ihre Meinung darüber zu hören. Deshalb erlaube ich mir die Anfrage, ob Sie Interesse daran hätten. Ein Spezialstudium von mir ist das Werk von Muzio Clementi. Daraus habe ich die Überzeugung gewonnen, vor allem im Vergleich seiner Studienwerke mit seinen Sonaten, dass er bei allem Mut, die Klaviersonate von der Form eines Philipp Emanuel Bach bis zu Brahms hin schöpferisch zu entwickeln, in seinen Sonaten doch verzichtete, seine letzten Erkenntnisse und Ideen zu verwenden. Eine Rücksicht auf das Publikum, die wir ja immer wieder bei Komponisten, vor allem den Grossen, finden. Das oben genannte Werk ist das zweite Capriccio von Clementi, das ich in dem Sinne für zwei Klaviere bearbeitet habe, dass bei strenger Beibehaltung des Textes die Idee Clementi's dadurch mehr zum Ausdruck kommen sollte, dass ich nur im Gradus ad parnassum, aber nicht in den Sonaten vorkommende Kühnheiten in diesem Capriccio anwandte. Die Arbeit wurde in Paris gespielt von der Pianistin und bekannten Musikwissenschaftlerin, Madame G. Brelet, indem sie die eine Partie auf dem Recorder aufnehmen liess und vor dem Radio die zweite Partie selber dazu spielte. Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie diese Arbeit interessieren würde. Ich werde Ihnen dann gern ein Exemplar zusenden. – Ihrer diesbezüglichen Mitteilung entgegensehend, bin ich

mit der vorzüglichsten Hochachtung

Walter Howard

Musicologe

Verblijfplaats: Amsterdam, Bijzondere Collecties UvA